| Es gibt
eine große Menge praktischer Illusionen, die uns helfen nicht in ein Nachdenk-Chaos zu fallen,
das uns völlig handlungsunfähig machen würde. Ich zähle die Wissenschaften zu einer solchen praktischen Illusion, weil selbst dann, wenn es gelänge eine große einheitliche Theorie zu verfassen, die die gesammten Weltphänomene beschreiben könnte, nicht die Wirklichkeit beschrieben würde. Warum? Es könnte eine zweite große einheitliche Theorie geben die ebenfalls diese Aufgabe lösen könnte. Und? Welche Theorie wäre dann wahrer? In der Wissenschaftstheorie werden zwar verschiedene Kriterien angegeben wie Theorien miteinander verglichen werden (z.B. der Effizienz-Gedanke) aber dies sind im Grunde willkürliche Setzungen. Dazu kommt, das schon Goedel beschrieb, das jedes größere System zur Rückbezüglichkeit tendiert. Von daher mehr über das Modell, als über die das Modell bedingende Wirklichkeit aussagt. Vielleicht ist das auch nur genau die Grenze, die sich ergibt, wenn der aus dem VOR-ICH-WIR aufsteigende individuelle ICH-Mensch im Vergleich mit seinen MIT-ICHs nach der Entwicklung der Theorien, die entwickelt werden mußten, um die entstehenden ICH-Grenzen überwinden zu können, entstehen. Sie entstehen weil die Entwicklung des "Denkapparats" des Menschen nicht bei der ICH-Werdung stehen bleibt, sondern über das ICH hinaus zu einem NACH-ICH-WIR vordringt. Dies bedingt neue Theorien, neue Weltsichten, vielleicht Lösungen der momentan vorherrschenden ICH-bezogenen Problematiken. Es reicht nicht mit dem jetzigen Stand des Wissens zufrieden zu sein. Wir streben doch immer weiter. Und je mehr wir wissen desto mehr müssen wir verantworten. Ergibt sich daraus nicht ebenso die Notwendigkeit eines NACH-ICH-WIR-Bewußtseins?. Andere Forscher andere Ansätze: Schon Erich Fromm zeigte in "Die Kunst des Liebens" das Liebe unterschiedliche Qualitäten hat. Ur-Vertrauen -> Mutter-Liebe -> Ich-Liebe -> partnerschaftliche Liebe -> Menschen-Liebe. Jede höhere Liebe baut auf die Einordnung der davor möglichen Liebe auf und es kommt darauf an, wie die vorherige Entwicklungsstufe gemeistert wurde, um das volle Potential eines Menschen zu entfalten. Klaue ich dem Menschen das Bonding kurz nach der Geburt, wird es diesem Menschen äußerst schwerfallen die nachfolgenden Stufen wirklich zu erreichen. In amerikanischen Untersuchungen wird die "Liebe" etwas technischer als Liebes- und Bindungsverhalten bezeichnet. So ist jede Liebe ein Meilenstein in der Entwicklung eines Menschen. Menschen-Liebe wäre in diesem Modell die Liebe die mit dem Nach-Ich-Wir korrespondiert. |