Grundfragen

Viele kleine Menschen fragen die Großen nach dem, was sie erdenken können. Sie fordern Antworten da, wo die Großen nicht mehr zu fragen wagen. Doch wie dankt es ihnen die Welt?
Was haben wir bereits getan mit unseren Kindern?
"Aber irgendwie müssen die Kinder doch lernen, was Zucht und Ordnung ist oder?"
Ah, ha - wie immer ist die Form alles und der Inhalt nebensächlich.
Heinz von Foerster spricht in so einem Fall von Trivialisierung autopoietischer Maschinen, was meiner Meinung nach den Verlust der Philosophiefähigkeit zur Folge hat. Genau wie die Aufhebung des Unterschieds zwischen einer religiösen Erfahrung und dem Glaubenssystem oft genug Fanatismus oder Fatalismus erzeugt, ergibt unser heutiges Erziehungssystem nurmehr Konkurenz- und Gewalt- Bereitschaft oder Resignation und Hilflosigkeit.
über die Kant'schen Grundfragen "Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?" nachzudenken ist um so wichtiger, je weiter diese Fragen von ihrem Entstehungszeitpunkt entfernt sind. Nur dann, wenn sie heute eben nicht beantwortet werden können ergeben sie noch Substanz für den philosophischen Diskurs. Aber wir müssen uns davor hüten die falschen Fragen zu fragen und wer will entscheiden welche Fragen nun richtig welche falsch sind?

Was kann ich wissen?

Ist diese Frage nicht bereits sehr eingeschränkt? Ist nicht die Frage zu erweitern zu: Was können wir wissen?
Langsam, langsam.
Die neue Frage schließt die alte doch mit ein. Und was ist überhaupt Wissen? Was unterscheidet Wissen von Erfahrung oder Erleben? Warum meint so mancher Naturwissenschaftler und viele ganz normale Leute noch auf eine Art objektivierbarer Wirklichkeitsbeschreibung nicht verzichten zu können?
Diese Fragen sind nicht ohne eine Erörterung des Umfeldes zu erfassen. Sie können nur ein Anfangspunkt einer langen Suche sein, dem menschlichen und vielleicht auch dem außermenschlichen Erkenntnis-Prozess der Erkenntnis.

Was soll ich tun?

Der einfache Vorschlag, nur das zu tun, dessen Wirkung wir auch ertragen wollen, wenn uns das gleiche geschieht reicht seit Atombombe und Gentechnologie nicht mehr aus, hat auch vorher schon lange nicht ausgereicht nur wer wollte es schon realisieren, das unsere Welt schon lange nicht mehr philosophisch gesichert scheint vielleicht nie war.
Nur mach mal einer Bande Kanthöriger Staats-Philosophen vor, das längst die System zu groß für eine solche direkte Verantwortlichkeit geworden sind, das längst der Blick auf Objektivierbares den Blick auf das Machbare forcierte und den Blick auf das Verantwortbare verstellte.
Wie also können wir ein Moralsystem in einer Ethik entwickeln, das die Möglichkeit von Verantwortung erst wieder herstellt?

Was darf ich hoffen?

In einer Welt die beständig Schreckensnachrichten produziert, ist Hoffnung zum letzten Mittel des Überlebens geworden. Hoffnung erscheint mir teilweise abhängig vom Alter eines Menschen. Solang er noch jung ist und das Leben vor ihm liegt, kann Hoffnung auf Änderung noch groß sein, weil noch nicht so viele frustrierende Erfahrungen gemacht wurden.
Dann, wenn der Mensch älter wird und mehr Mißerfolge erlebt hat sinkt oftmals die Hoffnung, aber es steigt die Erkenntnis, das nur gemeinsames Handeln Erfolg versprechen kann. Insofern wird trotz geringer Hoffnung der Wert der Hoffnung erhöht.
Darf ich hoffen, das die Menschen es noch schaffen können die Selbstvernichtungsmaschine zu stoppen?

Was ist der Mensch?

Schon Heidegger vermutete, das der Mensch nur ein Geheiß von der Menschlichkeit ist, die da kommen soll. Ganz im Einklang mit Nitzsche und sogar manchen Nazis, die glaubten klar wissen zu können, welche Rasse die Auserwählte sei und das es nur nötig sei der Natur zu assistieren im Kampf der Rassen(Kulturen).
Immerhin erkennen wir daraus wie einfach freiheitliche Gedanken mißbraucht werden können.
Was ist nun der Mensch? Sicher ist, wir dürfen unsere Wünsche nicht mit den Tatsachen verwechseln.
Das Problem der Menschenrechte hängt sehr von der Beantwortung dieser Frage ab. Wann ist ein Mensch noch Kind, ist eine Definition die ein Gesetz über Kinderarbeit benötigt. Ist eine Frau auch ein Mensch? Selbst diese Frage ist noch immer in einigen Ländern akut.
Ist der Mensch nur ein durch egoistische Gene determinierte Maschine? Oder wird der Mensch erst zum Mensch, wenn er als Zelle eines Gemeinschaftswesen zum Teilwesen einer Gesellschaft, einer Kultur wird?
Ist die Struktur der Kulturen eher Ausdruck der Machteliten, oder wirkliche Unterschiede gewachsener Sozialitäten?


Die kantischen Fragen haben es in sich. Doch wer gibt sich wirklich Mühe sie zu beantworten?