Gehirn

Wann hat eigentlich das Gehirn eine so entscheidende Überbetonung erfahren, sodaß heute vom Kopf-Menschen geredet wird?

Wir haben ein geschlossenes Nervensystem schreibt Maturana und unterscheidet dabei nicht wesentlich zwischen verschiedenen Nervenzellen-Zentren. Und auch wenn mit bestimmten Regionen bestimmte Aktivitäten korrespondieren ist das Nerven-System als ganzes ein Netzwerk und verhält sich als solches.
Es ist von daher falsch von Schaltkreisen zu sprechen, wie es frühere von der Digitaltechnik geprägte Autoren taten, auch wenn wir mit der Digitaltechnik erstmals Rückbezügliche (Rückgekoppelte) Systeme simulieren konnten und daraus erste Rückschlüsse auf die Eigenschaften von Netzwerken erhielten.
Nicht das die erwähnten Autoren völlig unrecht mit ihren Behauptungen hatten, aber wie es bei Erkenntnis seit Maturana üblich ist, haben die Wahrnehmenden nur ihre Raster zur Abgrenzung und verfälschen so das Ergebnis wie ich es ebenfalls tun werde.

Wir haben nichteinmal einen ersten Schritt gemacht auf dem Weg unser Nervensystem zu verstehen, weil wir zuerst nach einer allgemeingültigen Form suchten und selbst da, als wir wissen konnten, das es eine solche Form niemals geben wird, brauchte es eine geraume Zeit, bis das Scheitern der Suche nach Wahrheit nicht mehr aus Machtgründen unterdrückt werden konnte.
Aber die Einsicht nichts zu wissen, die schon vor tausenden Jahren bekannt wurde, nur im geheimen wirkte und erst heute beginnt an die Oberfläche zu dringen, macht nicht nur Angst vor neuer Verantwortung, sondern ergibt einen Berg Arbeit, wie Sysiphos es sich nicht vorstellen konnte.
Wieviele Generationen sind wohl nötig, um die Geschichte neu zu schreiben mit einem täglich vergößerten Bewußtsein?
Geschichte macht Vergangenheit zu Momentaufnahmen und wird so selbst zur Geschichte.
Gleichzeitg erzeugt Geschichte die Gefahr statischer Gelassenheit. Eine Gefahr, die zum erschlaffen kultureller Aktivität führt.
Geschichte ist immer zweiteilig - Geschichte des Beobachters plus Geschichte des Beobachteten.
Geschichte hat solange sie durch holistische Wesen bewahrt und reproduziert wird einen lebendigen Kern. Sobald sie aber in statischen Medien "festgenagelt" wird verliert sie nach und nach den Bezug zum Zeitverlauf oder bestimmt wie ein Fels den Lauf des Flusses, Rückgekoppelt mit der Welt des Seins.
Information, wenn mensch so will, ist die systemische Zuordnung von Elementen.
Wenn quantenphysikalisch nur Zuordnungswahrscheinlichkeiten eine Rolle spielen, weil der Einfluss des Umgebenden zunimmt je kleiner ich den Ort wähle, verschwimmt die Information, als würden immer mehr Wege der Zuordnung möglich.
Spielen hier skalierte Netzwerke eine Rolle?
Was wären die Knoten eines solchen Netzwerkes?

Doch zurück zum Begriff Gehirn. Vor kurzem hörte ich davon, das im Bauch genausoviel Nervenzellen vorhanden seien wie im Gehirn und es wurde von einem "Bauch-Gehirn" gesprochen, auf das sich viele der "Erfahrung" zu geordnete Entscheidung zurückführen ließen. Es besteht also nicht nur auf Grund der Netzwerk-Vorstellung, sondern auch aus dem Grund, der groben Zweiteilung in Kopf und Bauch-Gehirn, die Notwendigkeit neu über die Organisation von Erkenntnis nachzudenken.
Wenn zum Beispiel vorrausgesetzt wird, das der Mensch holistisch Wahrnehmungen aufnimmt, d.h. z.B. sowohl mit der Nase als auch mit den Augen, dann ergibt sich daraus eine völlig andere Ergebnisstruktur. Der Zusammenhang zwischen Druck, Temperatur und Raum zeigt deutlich, das die Beobachtung eines Elementes nicht ausreicht, um das Ganze zu verstehen. Erst mit der Beobachtung aller drei Elemente ergibt sich die Gas-Gleichung etc. Wir sind solange halbblind bis wir alle Wahrnehmungsmöglichkeiten, und dazu gehört ebenso der Interpretationsbereich, erkennen können, was prinzipiell unmöglich ist. Deshlab bleibt uns ja nur eine praktische Wissenschaft, eine verantwortbare Größe der Systeme usw. um nicht in die Selbstüberschätzung zu fallen.
Die größten Probleme der Menschheit gingen immer von solchen Gedankengebäuden aus, die eine von gesicherten Erkenntnissen getragene Form behaupteten.
Dabei ist es doch so einfach.
Ein lebendes Wesen macht Fehler. Lernen wir doch diese Fehler des Anderen aufzufangen anstatt sie auszunützen, dann sichern wir gemeinsam das Überleben unserer Art.
Schwer wird es erst, wenn dieser einfache Gedanke umgesetzt werden soll. Doch ich glaube Antworten zu kennen für die wichtigsten Umsetzungsprobleme.
Noch schwerer wird es, wenn ein Wirtschaftler dazu gefragt wird, denn logischerweise sind Umsetzungsprobleme oftmals mit Resourcenverbrauch in Verbindung zu sehen.
Und diese beiden Faktoren Umsetzungsprobleme und Resourcenverbrauch machen aus diversen Erlebnissen Angst.
Damit kommen wir zu einem weiteren Phänomen unseres Gehirns, der Angst.