Gedanken

Sind es wirklich meine Gedanken die ich denke?
Oder nehme ich nur an einem umfassenden Austausch von Gedanken teil, dessen Auswirkungen mir nur das Gefühl vermittelt ich würde denken?
"Herr Matthes, sie sind nicht hier in diesem Seminar um Kant zu kritisieren, sondern um ihn zu verstehen."
So, so, denke ich und habe gedanklich schon das Seminar aus meinem Kalender gestrichen.
Und? Was sind denn nun die entscheidenden Fragen, die ein heutiger Philosoph zu lösen sich bereit machen soll?
Es war einfach daneben von dem Professor sich auf diesen einen Standpunkt zurück zu ziehen, als die Studenten begannen das Weltbild von Kant auf die aktuellen Problemstellungen zu beziehen. Herr Professor sie haben versagt. Sie hätten das Seminar zu einem wichtigen Ereignis für die Studenten machen können. Sie hätten die Kant'schen Grundfragen auf die heutige Zeit reflektieren können und dabei aufzeigen können, wo die heutige Wissenschaft den Teilbereich der Philosophie unterminiert und dadurch den Einfluß der Moral auf die Technik-Entwicklung verhindert. Aber nein, Rückwärts gewandt ziehen Sie ihren Stoff durch und scheuen davor neu über Kant nachzudenken.
Wie soll ein Student, der konfrontiert mit Atombomben, Ökokatastrophen, Überbevölkerung, Clonen, Überwachungsstaat, Konsumfaschismus, wahrlich nicht auf Rezepte des Denkens aus altvorderen Zeit zurückgreifen kann ohne sie in Bezug zu setzen zu veränderten Bedingungen, anders reagieren, als das Seminar abzuwählen, wenn er nicht auf den Schein angewiesen ist?
Der Gedankenstrom der Welt geht in andere Richtungen. Nach Prinzip Hoffnung, das Prinzip Verantwortung? Nach der Fixierung auf das Individuum ein Aufbrechen des egomanen Wahrheitsdünkel?
Wieviele wahre Aussagesätze gibt es, die sich selbst beschreiben in der Form?
"In diesem Satz sind x A's, y B's ... z Apostrophen."
Wann wird der längst in den Wissenschaften praktisch gewordene Ansatz der Relativität der Wissenschaft endlich auch offen vertreten? Wann wird er zum Prinzip der Gesellschaften und lößt den Dogmatismus und Fundamentalismus ab? Damit die tumbe Argumentation mancher Politiker "Die Wissenschaftler sagen..." ad absurdum geführt wird.
Die Verdummung der Bevölkerung im Namen der Wissenschaft wird fortgeführt.
Die Gedanken denken im Strom der Gedanken!
Wohin führt dieser Strom?
Etwa in eine Mediengerechte Gesellschaft, in der Wahlen durch publikumswirksame Aktionen gewonnen werden, anstatt mit einem zukunftsgewandten nachhaltigen Programm?
Masken statt Argumente, Rollenverhalten statt kritischer Distanz, einlullendes Beruhigen statt vorausschauender Verantwortung.
So, wie es momentan in der Politik abgeht ist die Demokratie zur Schlaftablette für den kritischen Geist verkommen.
Da dachten manche mit den Grünen/Bündnis90 wäre endlich eine parlamentarische Alternative auf dem Marsch durch die Institutionen ans Ziel gekommen und? Fehleinschätzung - Zuviel Magensaft ist auf dem Weg nach oben hängen geblieben und hat die Gesichter einer Zukunft versprechenden Gruppe verätzt.
Welche Alternative gibt es denn noch? Keine. Es bleibt nur wieder der lange Atem einer außerparlamentarischen Oposition, doch die läßt auf sich warten. Schon einmal wurde sie unterwandert und mißbraucht. Woher soll mensch denn nun noch seinen Mut zum Handeln, zum Leben hernehmen?
Ist mir doch egal!
Eine Haltung, die deutlich macht wohin uns die letzten 50 Jahre korrupter Politiker geführt haben. Eine Haltung, die gewollt oder gebilligt in den Untergang einer Kultur führt, die einmal Humanität auf ihren Fahnen geschrieben hatte, die sagte "Nie wieder Krieg", die vorgab gegen den kapitalen Größenwahn vorzugehen.
Sie alle sind zu Lügnern geworden, haben verkaufte Seelen.
Es ist eben wiedermal zu wahr um schön zu sein, aber wer hat denn gesagt, die Welt sei schön? Richtig, niemand. Viele warnten vor den Grausamkeiten der Wirklichkeit. Und doch ließ uns Hoffnung bisher nicht in Stich. Wir leben in einer haltlosen chaotischen Zeit, weil der alte Status Quo aufgekündigt ist. Dieses Chaos führt wie jedes Chaos zu neuen Ordnern und wir haben es in der Hand den Ordner zu wählen, der den nächsten Status Quo bestimmen wird.