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Schuldfragen und ihre propagandistische Nutzung (Gelesen: 794 mal)
freierMilan
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Freiland, Weg der Freiheit 1
Schuldfragen und ihre propagandistische Nutzung
02.12.2011 um 14:39:55
 
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Schweiger und Konsumenten,

immerr wieder werde ich mit Situationen konfrontiert, wo Menschen ihre Moral äußern über besonders hässliche geschichtliche Ereignisse. Gerade dann, wenn jemand sich mit der Situation Deutschlands auseinandersetzt und im Sinne einer kulturellen Wurzelsuche in der Identifikations-Problematik mit der Gesellschaft in die mensch hineingeboren wurde auseinandersetzt, um seine politischen Entscheidungen selbstbestimmt und klar treffen zu können, wird dieser Mensch mit Massen an propagandistischen Schuldzuweisungen konfrontiert, sodaß es kein Wunder ist, das so mancher Zeitgenosse um die Holocaust-Frage nicht drum herum kommt. Schon in den 50/60er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es bereits eine Diskussion über die Singularität des Holocaust und auch wenn schon damals sehr viel gegen eine Singularität gesprochen hat, ist auch heute noch dieses Ereigniss des 2. Weltkrieges gerade auch durch bestimmte Gesetzgebungen der BRD von erheblicher Wirkung.

In den Streit, ob es nun 270 000 oder 2 Millionen oder 4,3 Millionen oder 6 Millionen gewesen sind, die in Konzentrationslagern getötet wurden und warum sie getötet wurden oder starben, will ich mich nicht einmischen, denn eine objektive Sichtweise ist in diesem Thema wohl kaum erreichbar, solange die propagandistische Verwertung auf allen Seiten noch im Fokus des Interesses steht.

Mein Anliegen hier ist anderer Natur. Vergleiche anzustellen, welche Massaker nun schlechter oder böswilliger seien, ist ebenfalls nicht wirklich mein Thema, obwohl die Anzahl der Personen, die durch Völkermord bezüglich der Indianer Nord- und Südamerikas, den Afrikanern, den Australiern oder den Gulags in der SU oder Chinas Umerziehungslagern durchaus einen solchen Vergleich ermöglichten, um festzustellen, das wohl jedes größere Reich einige Leichen im Keller hat.

Schuld? - Kann diese Frage nach Schuld noch gestellt werden im Angesicht der Massen an hingemetzelten Menschen und mit Quantitätsmerkmalen beurteilt?

Wenn wir uns auf soetwas einlassen kommt für mich eine ganz aktuelle täglich ablaufende Handlung von uns allen in den Vordergrund.

Dazu möchte ich ihnen ein Video präsentieren:

» Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet. « Jean Ziegler
Nicht gehaltene Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 2011


YT-Direkt


Ich mache jetzt trotz der Ablehnung quantitativer Vergleiche eine Rechnung, um Ihnen darzustellen, das etwas in unserer Moral nicht ganz stimmen kann.

Täglich sterben 30 000 Kinder unter 5 Jahren an Hunger;
täglich sterben sogar 38 000 Kinder unter 10 Jahren an Hunger und seinen Folgen.


Wenn sie das auf ein Jahr hochrechnen, sind das im ersten Fall 10,96 Millionen und im zweiten Fall 13,87 Millionen Kinder.

Wenn Sie diese Zahlen sehen und dann von jemanden gesagt bekommen, der Holocaust sei ein singuläres Ereignis und die schlimmste Form industriellen Tötens, dann geben Sie zu bedenken, wieviele Menschen jährlich sterben müssen, weil wir alle ein System unterstützen, das perfider als es die Nazis jemals tun konnten zig-Millionen Menschen nicht mal 10 Jahre alt werden lässt.

Sie glauben nicht, das Sie mitverantwortlich sind?
Sie weisen eine Mitverantwortung zurück?

Was glauben sie warum die Lebensmittelpreise in Afrika und anderen Kontinenten in den letzten Monaten explodiert sind?
Vielleicht, weil wir meinen durch Bio-Sprit unsere Umwelt schonen zu müssen?

In Wirklichkeit könnten Sie genau wissen, wie Sie selbst massiv an diesem Schrecken beteiligt sind und das Sie mitverantwortlich dafür sind, das solches geschieht.

Wir müssen die Frage stellen, ist unsere Moral - ja unsere Doppelmoral - derart durch die Propaganda für kurzfristige Ziel-Profite der Konzerne und Allmachtbestrebungen bestimmter Eliten beieinflußt, das wir uns lieber über die Anzahl der im Holocaust gestorbenen ereifern und streiten, als der aktuellen Wahrheit ins Gesicht zu sehen.
Gerade die Deutschen dürfen dann, wenn sie aus ihrer Geschichte gelernt haben, besonders kritisch die Lage der Welt beurteilen und dürfen anprangern, was in der Welt falsch läuft.

Und doch gibt es viele Deutsche, die sich ihrer eigenen Nation und ihrer aus der Geschichte kommenden Verantwortung nicht mehr bewußt werden wollen, weil sie die ständige Schuldzuweisung satt haben, die auch Generationen betrifft, die nicht mit den eigentlichen Grausamkeiten zu tun hatten. Das ist verständlich aber zugleich schlimm, denn diese Deutschen ohne Identifikation mit ihrer Geschichte laufen Gefahr erneut in Angelegenheit systemisch verstrickt zu werden und die Geschichte zu wiederholen auf anderer Ebene.

Das gilt natürlich auch für andere Völker, auch andere Völker könnten pauschal für ihre Geschichte verurteilt werden und haben gleiche Probleme.

Die Traumas aus der Geschichte müssen aufgearbeitet werden - keine Frage - doch die Schuldfrage macht eine Generation danach schon keinen Sinn mehr, außer eben daraus zu lernen und durch Handlung diese Schuld zu überwinden.

Eine Handlung gegen die systematische Vernichtung von Menschen, egal wo auf der Welt, und eine Aufmerksamkeit gegenüber der systemischen Verstrickung sind die wenigen Möglichkeiten, die jeder von uns hat.

Lassen Sie sich keine Schuld einreden für vergangenes, sondern stellen Sie sich der Geschichte, um daraus zu lernen.
Lassen Sie sich nicht einreden, das etwas weit weg von Ihnen ist und sie könnten nichts dafür, was dort passiert, denn wir sind mindestens über die Weltwirtschaft mit allen Menschen verbunden und die Entscheidungen der Konzernherren sind maßgeblich, sollten also von uns verhindert werden, wenn sie gegen die Menschen gerichtet sind und für die systematische Vernichtung verantwortlich gemacht werden können.

Wenn sie diese Entscheidungen zulassen ist ihr Nicht-Handeln schlimmer, als wenn sie selbst jemanden erschiessen würden, denn bei einem Schuß stirbt ein Mensch, durch das System und die Systementscheidungen aber viele Menschen.

Gehen Sie insich und überprüfen Sie ihre Maßstäbe der Moral in denen sie sich bewegen. 
Es lohnt sich nicht nur für Sie sondern für alle!

VG
bernd
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« Zuletzt geändert: 07.12.2011 um 16:54:32 von freierMilan »  

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Freiland, Weg der Freiheit 1
Re: Schuldfragen und ihre propagandistische Nutzung
Antwort #1 - 14.12.2011 um 18:09:56
 
Auch andere haben sich über dieses Thema in ähnlicher Weise beschäftigt

Schuld.

YT-Direkt


Hervorragende Arbeit - künstlerisch wertvoll und eine Meta-Dokumentation des gesellschaftlichen Zustandes.
Im Gegensatz zum Mainstream keine Dokusoap und auch keine scheinrealistische aber "belegbare" Doku. 
Jenseits einer Grenze ertragbarer und reintegrierbaren Schuldbewußtheit.

Die Website diese Video-Aktion http://www.politicalbeauty.de/
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Re: Schuldfragen und ihre propagandistische Nutzung
Antwort #2 - 01.02.2012 um 07:22:50
 
Hier noch ein satirisches Video zum Thema:
"Manische Culpathie"

YT-Direkt

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